Gehaltsgespräch vorbereiten: so sprichst du die Gehaltserhöhung an
Kurz gesagt
Bitte um einen eigenen Termin, leg zwei, drei Ergebnisse mit Zahlen auf den Tisch, nenn einen konkreten Betrag — und frag bei einem Nein, was bis wann passieren muss, damit es ein Ja wird.
Viele warten darauf, dass die Führungskraft von selbst merkt, was sie leisten. Das passiert selten, nicht aus Bosheit, sondern weil deine Führungskraft mit Budgets, Terminen und zehn anderen Menschen beschäftigt ist. Ein Gehaltsgespräch ist deshalb keine Zumutung, sondern eine Information: Hier ist, was ich beitrage, und hier ist, was ich mir dafür wünsche.
Schwer wird das Gespräch meist nicht durch die Zahl, sondern durch das, was mitschwingt: die Angst, gierig zu wirken, der Ärger über Kolleginnen, die mehr bekommen, oder das Gefühl, schon lange übersehen zu werden. Wer diese Gefühle kennt, bevor er hineingeht, kann sachlich bleiben, ohne sie zu verstecken.
Gehaltsgespräch vorbereiten: was du vorher klärst
Eine Stunde Vorbereitung verändert das Gespräch mehr als jede Formulierung. Am Ende steht ein Zettel, den du zur Not auch einfach vorlesen kannst.
- Deine Ergebnisse seit der letzten Anpassung, so konkret wie möglich: Projekte, Zahlen, neue Aufgaben, Verantwortung, die dazugekommen ist.
- Was vergleichbare Stellen verdienen: Tarifverträge, Gehaltsvergleiche von Gewerkschaften und Jobportalen, Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe.
- Eine konkrete Zahl, keine Spanne nach unten: der Betrag, den du nennst, und für dich die Untergrenze, ab der du zufrieden bist.
- Was dir außer Geld wichtig wäre, falls das Budget wirklich fest ist.
- Der Zeitpunkt: vor der Budgetplanung, nach einem gelungenen Projekt, im Jahresgespräch — nicht zwischen Tür und Angel am Freitagnachmittag.
Wie viel Prozent mehr Gehalt kann ich verlangen?
Eine feste Regel gibt es nicht. Häufig genannt werden Größenordnungen von drei bis zehn Prozent, mehr bei einem echten Aufgabenwechsel. Entscheidender als der Prozentsatz ist, dass du deine Zahl begründen kannst: mit dem, was die Stelle am Markt wert ist, und mit dem, was sich an deiner Arbeit verändert hat.
Nenn die Zahl selbst und als Erstes. Wer nur fragt „Wäre da etwas drin?“, überlässt der anderen Seite den Anker. Eine runde, gut begründete Zahl ist leichter zu verhandeln als ein vages „etwas mehr“.
Mehr als Geld: Interessen statt Positionen
Hinter „mehr Gehalt“ steht oft mehr als der Betrag: Anerkennung, Sicherheit, Entwicklung, Zeit. Und hinter „kein Budget“ steht auf der anderen Seite oft Planungssicherheit oder Gerechtigkeit im Team. Wer Interessen statt Positionen verhandelt, findet manchmal eine Lösung, die beiden etwas bringt: eine Weiterbildung, ein Titel, der die Verantwortung zeigt, ein Tag Homeoffice mehr, eine Prämie statt einer festen Erhöhung — oder ein fester Termin, an dem die Erhöhung kommt, wenn bestimmte Ziele erreicht sind.
Der richtige Zeitpunkt für das Gehaltsgespräch
Der beste Zeitpunkt liegt meist einige Wochen bevor über das Budget für das nächste Jahr entschieden wird. In vielen Firmen ist das im Herbst; frag ruhig nach, wann bei euch geplant wird. Wer erst im Januar fragt, hört oft: „Das Budget steht schon.“
Gute Anlässe sind außerdem: ein abgeschlossenes Projekt, das sichtbar etwas gebracht hat, neue Aufgaben oder mehr Verantwortung, ein Jahr ohne Anpassung. Ungünstig sind Tage, an denen deine Führungskraft selbst unter Druck steht — nach schlechten Quartalszahlen, kurz vor einer Abgabe, am Freitag um halb fünf.
Ablauf des Gehaltsgesprächs in fünf Schritten
Ein Gehaltsgespräch dauert selten länger als eine halbe Stunde. Wenn du den Ablauf kennst, musst du im Gespräch nicht improvisieren.
- Einstieg: kurz bedanken für den Termin und den Anlass nennen. „Ich möchte heute mit Ihnen über mein Gehalt sprechen.“ Kein langer Small Talk, keine Entschuldigung.
- Rückblick: zwei oder drei Ergebnisse aus der letzten Zeit, jeweils mit Zahl oder Datum. Lieber drei starke Punkte als zehn mittelmäßige.
- Die Zahl: deinen Betrag nennen, als Monats- oder Jahresgehalt brutto, und dann schweigen. Die Pause fühlt sich lang an; sie gehört dazu.
- Zuhören: die Antwort abwarten, nachfragen, was hinter einem Einwand steht. „Was genau steht dem im Moment entgegen?“
- Vereinbarung: Was ist beschlossen, was ist offen, bis wann? Wenn es heute keine Entscheidung gibt, einen Termin dafür festmachen.
Gehaltsgespräch per Mail anfragen: ein Beispiel
Den Termin fragst du am besten kurz und ohne Begründung an — die gehört ins Gespräch. Zum Beispiel: „Hallo Frau Schmidt, ich würde gern mit Ihnen über meine Entwicklung und mein Gehalt sprechen. Hätten Sie in den nächsten zwei Wochen 30 Minuten für mich? Viele Grüße, …“
Nach dem Gespräch schickst du eine kurze Zusammenfassung, auch wenn das Ergebnis ein Nein war: „Danke für das Gespräch heute. Wie besprochen erhöht sich mein Gehalt ab 1. Januar auf … / Wie besprochen schauen wir im Mai noch einmal darauf; Voraussetzung ist der Abschluss des Projekts X.“ So wissen beide Seiten in einem halben Jahr noch, was gesagt wurde.
Wenn du vor dem Gespräch nervös bist
Nervosität ist kein Zeichen, dass du etwas Unverschämtes vorhast; sie zeigt nur, dass dir das Gespräch wichtig ist. Was hilft: die drei Sätze für Einstieg, Zahl und Bitte vorher laut sagen, am besten zweimal, damit die Zahl im Gespräch nicht zum ersten Mal aus deinem Mund kommt. Einen Zettel mitnehmen und offen hinlegen. Vor dem Satz mit der Zahl einmal ausatmen.
Und dich daran erinnern, was im schlimmsten Fall passiert: ein Nein. Ein Nein ist keine Kündigung und kein Urteil über dich, sondern eine Auskunft über die Lage. Mit der kannst du weiterplanen.
Warum es oft schiefgeht
„Alle anderen kriegen ständig mehr, und meine Arbeit interessiert hier offenbar keinen.“
„Alle anderen“ und „ständig“ sind Verallgemeinerungen, und „interessiert keinen“ ist ein Urteil über die andere Seite. Deine Führungskraft wird sich verteidigen oder über die Gehälter der anderen reden — beides führt weg von deiner Arbeit.
Außerdem fehlt die Bitte. Wer nur Unzufriedenheit zeigt, lässt offen, was er eigentlich will. Und wer droht, ohne es zu meinen, verliert beim ersten Nein an Glaubwürdigkeit.
So kannst du anfangen
Jeder Einstieg hat vier Teile: was passiert ist, wie es dir geht, was dir wichtig ist, worum du bittest. Nimm den, der zu dir passt, und setz deine eigenen Details ein.
Sachlich
- Beobachtung
- Seit März betreue ich zusätzlich die zwei Großkunden, die vorher bei Frau Berg lagen, und mein Gehalt ist seit zwei Jahren gleich.
- Gefühl
- Ich freue mich über die Verantwortung und bin zugleich unsicher, ob sie bei der Bezahlung angekommen ist.
- Bedürfnis
- Mir ist wichtig, dass mein Gehalt zu meinen Aufgaben passt.
- Bitte
- Ich bitte Sie um eine Erhöhung auf 4.300 Euro brutto ab Januar. Können wir das bis zur Budgetrunde im Dezember klären?
Mit Zahlen
- Beobachtung
- In diesem Jahr habe ich drei Projekte abgeschlossen; eines davon hat die Bearbeitungszeit pro Auftrag um ein Viertel verkürzt. Vergleichbare Stellen in der Region liegen laut Tarif bei 52.000 bis 56.000 Euro, ich liege bei 48.000.
- Gefühl
- Ich bin stolz auf meine Arbeit und auch etwas unsicher, wie ich das Gehalt anspreche.
- Bedürfnis
- Ich brauche ein Gehalt, das dem Markt und meiner Leistung entspricht.
- Bitte
- Mein Vorschlag sind 54.000 Euro ab dem 1. Januar. Was bräuchten Sie von mir, um das bis Ende November zu entscheiden?
Deutlich
- Beobachtung
- Im Jahresgespräch im letzten Herbst haben Sie eine Anpassung für dieses Frühjahr in Aussicht gestellt; bisher ist sie nicht gekommen.
- Gefühl
- Ich bin enttäuscht und auch ein wenig ratlos.
- Bedürfnis
- Ich brauche Verlässlichkeit bei dem, was zugesagt wurde.
- Bitte
- Ich bitte Sie, mir bis Freitag nächster Woche zu sagen, ob und ab wann die Erhöhung kommt, und mir das schriftlich zu bestätigen.
Bevor du es ansprichst
- Bitte um einen eigenen Termin und nenn den Anlass ehrlich: „Ich möchte mit Ihnen über mein Gehalt sprechen.“ Überraschungen machen Führungskräfte vorsichtig.
- Fang mit dem an, was du beigetragen hast, nicht mit dem, was dir fehlt. Danach die Zahl, dann eine Pause. Wer die Stille aushält, muss die eigene Zahl nicht selbst wieder kleinreden.
- Droh nicht mit Kündigung, wenn du nicht wirklich gehen willst. Ein Gegenangebot einer anderen Firma kannst du erwähnen, wenn es echt ist — als Information, nicht als Ultimatum.
- Halte das Ergebnis schriftlich fest, auch ein Nein: „Wie besprochen schauen wir im Mai noch einmal darauf, Voraussetzung ist der Abschluss von Projekt X.“
Wenn die andere Person antwortet
- Gegenüber Dafür ist gerade kein Budget da.
- Du Das verstehe ich. Wann wird das nächste Budget geplant, und was muss bis dahin passieren, damit ich dabei bin?
- Gegenüber Sie hatten doch erst letztes Jahr eine Erhöhung.
- Du Das stimmt. Seitdem sind die zwei Großkunden dazugekommen, darum spreche ich es jetzt an.
- Gegenüber Das besprechen wir im Jahresgespräch.
- Du Gern. Können wir den Termin jetzt festlegen, damit es vor der Budgetrunde liegt?
- Gegenüber Wenn ich Ihnen mehr gebe, wollen das alle.
- Du Ich kann nur für meine Aufgaben sprechen. Mir geht es darum, ob mein Gehalt zu dem passt, was ich hier mache.
- Gegenüber Was machen Sie, wenn ich Nein sage?
- Du Dann möchte ich wissen, was sich ändern müsste, damit es ein Ja wird, und bis wann wir wieder darüber reden.
Typische Fehler im Gehaltsgespräch
- Mit privaten Gründen argumentieren („Die Miete ist gestiegen“) statt mit der eigenen Arbeit.
- Keine Zahl nennen oder die eigene Zahl sofort selbst relativieren.
- Kolleginnen und Kollegen und ihre Gehälter ins Spiel bringen.
- Drohen, ohne es zu meinen.
- Bei einem Nein einfach gehen, ohne einen nächsten Termin und eine Bedingung zu vereinbaren.
Übung: dein Gehaltsgespräch in drei Sätzen
- Schreib drei Ergebnisse aus diesem Jahr auf, jedes mit einer Zahl oder einem Datum.
- Schreib deine Zahl dazu und einen Satz, woher sie kommt.
- Formuliere die Bitte mit einem Datum und prüf die Sätze im Assistenten.
- Üb danach die Antwort auf „kein Budget“ laut, bis sie ruhig klingt — im Gespräch kommt sie sonst zu schnell oder zu leise.
Probier’s an deinem Satz
Schreib den ersten Satz, den du sagen würdest. Die Regeln des Simulators lesen mit und zeigen, welche Wörter die andere Person in die Verteidigung bringen.
Noch kein Satz. Die markierten Wörter und die Frage dazu erscheinen hier.
Drei Schritte, dein Satz kommt mit. Ohne Konto, nichts wird gespeichert.
Häufige Fragen
Wie beginne ich ein Gehaltsgespräch?
Mit dem Anlass und deinen Ergebnissen: „Ich möchte mit Ihnen über mein Gehalt sprechen. Seit März betreue ich zusätzlich zwei Großkunden …“ Danach nennst du deine Zahl und hörst zu. Ein langer Vorlauf mit Entschuldigungen schwächt die Bitte.
Welche Argumente zählen im Gehaltsgespräch?
Was du beigetragen hast und was sich an deinen Aufgaben verändert hat, belegt mit Zahlen und Daten, dazu der Marktwert der Stelle. Private Gründe wie gestiegene Kosten sind verständlich, aber für die Führungskraft keine Begründung, die sie weitergeben kann.
Wie oft kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?
Üblich ist etwa einmal im Jahr, dazu bei einem deutlichen Wechsel der Aufgaben. Wer öfter fragt, sollte jedes Mal etwas Neues auf den Tisch legen können.
Was tun, wenn der Chef die Gehaltserhöhung ablehnt?
Frag nach dem Grund und danach, was bis wann passieren müsste, damit es ein Ja wird. Vereinbare einen neuen Termin und halte beides schriftlich fest. Wenn auch dann nichts kommt, ist das eine Information für deine eigene Planung.
Soll ich das Gehaltsgespräch per Mail anfragen?
Den Termin ja, das Gespräch selbst besser persönlich oder per Video. Eine kurze Mail wie „Ich würde gern mit Ihnen über meine Entwicklung und mein Gehalt sprechen, hätten Sie nächste Woche 30 Minuten?“ reicht.
Was ist das Harvard-Konzept in der Gehaltsverhandlung?
Eine Verhandlungsmethode, die Interessen statt Positionen in den Mittelpunkt stellt: Was ist beiden Seiten wichtig, welche Optionen gibt es, an welchen fairen Maßstäben lässt sich das messen? Im Gehaltsgespräch heißt das: Marktdaten als Maßstab, und neben Geld auch Weiterbildung, Zeit oder einen festen Termin für die nächste Stufe.
Die vier Schritte Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte stützen sich auf die Arbeit von Dr. Marshall Rosenberg und des Center for Nonviolent Communication (cnvc.org). Diese Seite wird nicht von einer CNVC-zertifizierten Trainerin oder einem CNVC-zertifizierten Trainer betrieben.