Schwierige Gespräche

Mitbewohner putzt nicht: wie du es in der WG ansprichst

Kurz gesagt

Sprich über eine konkrete Sache — das Bad, die Küche, den Putzplan dieser Woche — statt über die Person, und bitte um etwas, das sich bis zu einem bestimmten Tag überprüfen lässt.

In fast jeder WG gibt es irgendwann die Person, die den Putzplan anders liest als die anderen. Und fast immer gibt es eine Phase, in der alle es merken, aber keiner etwas sagt — bis jemand einen Zettel an den Kühlschrank klebt oder im WG-Chat explodiert.

Beides macht es selten besser. Ein kurzes Gespräch unter vier Augen, bevor sich der Ärger stapelt, ist fast immer der leichtere Weg.

Was tun, wenn der Mitbewohner nicht putzt?

Geh in Stufen vor, statt gleich zum großen Knall zu springen. Jede Stufe gibt der anderen Person eine echte Chance, und du weißt hinterher, dass du es fair versucht hast.

  • Erst ein kurzes Gespräch unter vier Augen über eine konkrete Aufgabe, mit einer Bitte und einem Tag, bis wann.
  • Klappt es nicht: ein zweites Gespräch, in dem du genau das ansprichst — was abgemacht war und was passiert ist.
  • Dann ein WG-Treffen über den Plan selbst, mit allen am Tisch und ohne Anklage gegen eine Person.
  • Wenn auch das nichts ändert, geht es um die WG selbst: wer mit wem wohnen will und was im Mietvertrag steht.

WG-Putzplan erstellen, der wirklich hält

Die meisten Putzpläne scheitern nicht am Papier, sondern an dem, was nicht draufsteht. Ob ihr eine Vorlage zum Ausdrucken, eine Tabelle oder eine App nehmt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass jede Aufgabe beschrieben ist („Bad: Waschbecken, Toilette, Dusche, Boden wischen, Müll raus“), dass klar ist, bis wann sie in der Woche erledigt sein soll, und was gilt, wenn jemand nicht kann: tauschen und im Chat Bescheid sagen.

Legt außerdem einen Termin fest, an dem ihr den Plan nach einem Monat anschaut. Ein Plan, den alle mitgemacht haben, wird eher eingehalten als einer, den eine Person aufhängt.

Warum es oft schiefgeht

Der Satz, der meistens kommt
„Du bist echt der Einzige hier, der nie putzt. Das ist so asozial.“

„Der Einzige“ und „nie“ machen aus einer Woche ein Charakterurteil, und „asozial“ ist eine Beleidigung. Wer so angesprochen wird, sucht nach Gegenbeispielen oder nach Fehlern bei dir — und findet sie meistens.

Auch der Gruppenchat ist ein schlechter Ort: Dort hat die Person Publikum, und vor Publikum gibt kaum jemand nach.

So kannst du anfangen

Jeder Einstieg hat vier Teile: was passiert ist, wie es dir geht, was dir wichtig ist, worum du bittest. Nimm den, der zu dir passt, und setz deine eigenen Details ein.

Locker

Beobachtung
Laut Plan warst du letzte Woche mit dem Bad dran, und es ist bis heute nicht geputzt.
Gefühl
Ich bin genervt.
Bedürfnis
Mir ist wichtig, dass wir uns auf den Plan verlassen können.
Bitte
Kannst du das Bad bis morgen Abend putzen?

Mit einer Frage

Beobachtung
In den letzten drei Wochen stand dein Name zweimal bei der Küche, und beide Male habe ich sie am Sonntag gemacht.
Gefühl
Ich bin frustriert.
Bedürfnis
Ich brauche eine Aufteilung, die für alle fair ist.
Bitte
Passt der Plan für dich nicht? Ich möchte, dass wir ihn diese Woche zusammen anpassen, damit du deine Dienste schaffst.

Deutlich

Beobachtung
Seit Anfang des Monats steht dein Geschirr auf der Spüle, und der Müll war zweimal übervoll, als du dran warst.
Gefühl
Ich bin wütend.
Bedürfnis
Mir ist wichtig, dass ich mich in der Küche wohlfühle.
Bitte
Ich bitte dich, dein Geschirr am selben Tag zu spülen und den Müll in deiner Woche bis Sonntag rauszubringen.

Bevor du es ansprichst

  • Unter vier Augen, nicht im Gruppenchat und nicht per Zettel. Ein Zettel kann nicht nachfragen und kommt fast immer schärfer an, als er gemeint war.
  • Frag nach, bevor du urteilst: Manchmal sind es Prüfungen, ein neuer Job oder schlicht ein anderer Sauberkeitsmaßstab. Das ändert nicht, dass die Aufgabe erledigt werden muss, aber es ändert, wie ihr eine Lösung findet.
  • Wenn es mehrere betrifft: ein kurzes WG-Treffen mit dem Plan auf dem Tisch, nicht eine Person gegen alle.
  • Ein Putzplan hilft nur, wenn klar ist, was „Bad putzen“ heißt. Schreibt es dazu.

Wenn die andere Person antwortet

Gegenüber Ich hatte echt keine Zeit, ich hab Prüfungen.
Du Verstehe ich. Wann schaffst du es diese Woche? Oder sollen wir tauschen, und du übernimmst dafür nächste Woche meins?
Gegenüber So dreckig ist es doch gar nicht.
Du Wir sehen das unterschiedlich. Lass uns aufschreiben, was zu „Bad putzen“ gehört, dann ist es nicht mehr Ansichtssache.
Gegenüber Du machst doch auch nicht immer alles.
Du Stimmt, wenn dir bei mir was fehlt, sag es gern. Jetzt geht es mir ums Bad diese Woche.
Gegenüber Okay, okay, mach ich später.
Du Danke. Bis wann genau? Dann muss ich nicht nochmal fragen.

Typische Fehler, wenn der Mitbewohner nicht putzt

  • Wochenlang schweigen und dann alles auf einmal ansprechen.
  • Passiv-aggressive Zettel am Kühlschrank oder Spitzen im Gruppenchat.
  • Selbst alles putzen und innerlich Punkte sammeln.
  • Über die Person reden („du bist so faul“) statt über die Aufgabe.
  • Eine Bitte ohne Termin („mach halt mal“).

Übung: von der Beschwerde zur Bitte

  1. Schreib den Satz auf, der dir gerade auf der Zunge liegt.
  2. Streich alles, was eine Kamera nicht gesehen hätte: „nie“, „immer“, „faul“, „rücksichtslos“. Mehr dazu unter Beobachten statt bewerten.
  3. Ergänze, wie es dir damit geht, und eine Bitte mit Tag.
  4. Probier das Gespräch einmal im Übungsmodus aus.

Probier’s an deinem Satz

Schreib den ersten Satz, den du sagen würdest. Die Regeln des Simulators lesen mit und zeigen, welche Wörter die andere Person in die Verteidigung bringen.

Noch kein Satz. Die markierten Wörter und die Frage dazu erscheinen hier.

Häufige Fragen

Wie erstellt man einen Putzplan für die WG?

Gemeinsam, mit allen Aufgaben, die anfallen, und einer kurzen Beschreibung, was jeweils dazugehört. Dazu ein Rhythmus, wer wann dran ist, eine Regel fürs Tauschen und ein Termin, an dem ihr den Plan überprüft. Ob auf Papier oder in einer App, ist Geschmackssache.

Was tun, wenn ein Mitbewohner gar nicht mitmacht?

Dann sprich zuerst genau das an: was abgemacht war und was passiert ist, mit einer letzten klaren Bitte. Ändert sich nichts, gehört das Thema in ein WG-Treffen. Auf Dauer ist es auch eine Frage, ob ihr noch zusammenwohnen wollt.

Was tun, wenn der Mitbewohner nicht putzt?

Zuerst ein kurzes Gespräch unter vier Augen über eine konkrete Aufgabe, mit einer Bitte und einem Tag, bis wann. Wenn sich nichts ändert: ein WG-Treffen über den Plan selbst. Zettel und Gruppenchat machen es meistens schlimmer.

Wie sage ich meinem Mitbewohner, dass er putzen soll, ohne Streit?

Beschreib, was du gesehen hast, statt zu bewerten, wie die Person ist: „Das Bad ist seit letzter Woche nicht geputzt“ statt „Du bist so faul“. Dann eine konkrete Bitte mit Termin.

Brauchen wir einen Putzplan?

Ein Plan hilft, wenn er festlegt, was genau zu jeder Aufgabe gehört und was passiert, wenn jemand tauschen muss. Ein Plan ohne diese Abmachungen verschiebt den Streit nur auf die Frage, was „sauber“ heißt.

Die vier Schritte Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte stützen sich auf die Arbeit von Dr. Marshall Rosenberg und des Center for Nonviolent Communication (cnvc.org). Diese Seite wird nicht von einer CNVC-zertifizierten Trainerin oder einem CNVC-zertifizierten Trainer betrieben.