Schuldnerberatung: das erste Gespräch — was du sagst und was du mitbringst
Der schwerste Satz in der Schuldnerberatung ist oft der erste: „Ich weiß gar nicht genau, wie viel es ist.“ Den darfst du sagen. Genau dafür ist die Beratung da.
Diese Seite trainiert das Gespräch. Sie ist keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung; ob eine Forderung stimmt und was du zahlen solltest, prüft eine Schuldnerberatung. Vorschau: noch nicht von Schuldnerberater:innen durchgesehen.
Schuldnerberatung ist kostenlos und vertraulich — bei Wohlfahrtsverbänden wie Caritas, Diakonie, AWO und DRK, bei Kommunen und vielen Verbraucherzentralen. Eine Stelle in deiner Nähe oder die Online-Beratung findest du über meine-schulden.de, betrieben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung.
Ungeöffnete Briefe, verschobene Anrufe, ein Stapel, den man nicht mehr ansehen mag: Das ist häufig. Es ist Überforderung, keine Faulheit. Die Beraterin hat das schon oft gesehen. Sie wird fragen, ohne zu urteilen — und sie wird freundlich darauf bestehen, das ganze Bild zu sehen.
Was du sagen kannst
- „Ich habe Schulden und habe den Überblick verloren. Ich brauche Hilfe, ihn zurückzubekommen.“
- „Einige Briefe habe ich nicht geöffnet. Ich habe sie mitgebracht — können wir sie zusammen aufmachen?“
- „Am dringendsten ist gerade [die Miete / der Brief vom Gericht]. Ich habe Angst, eine Frist zu verpassen.“
- „Netto habe ich [Betrag] im Monat. Ich bringe die Auszüge mit.“
- „Da ist noch etwas, das ich vergessen hatte zu nennen.“ — auch das Geld von der Schwester gehört auf den Tisch.
Was du besser nicht sagst
- Etwas weglassen, weil es peinlich ist. Ein Plan, der eine Forderung nicht kennt, hält nicht.
- Dich kleinmachen („Ich bin einfach zu blöd für Geld“). Es reicht zu sagen, was ist.
- Bis zum Termin schnell noch etwas zusagen, nur damit ein Anruf aufhört. Sag lieber: „Ich bin in der Schuldnerberatung und melde mich schriftlich.“
Schriftlich
Was du mitbringst, so weit du es hast: alle Briefe von Gläubigern, Inkasso, Gericht und Ämtern, auch die ungeöffneten; Kontoauszüge der letzten Monate; Nachweise über Einkommen und Miete; Verträge über Kredite und Handy; eine Liste, wem du sonst noch etwas schuldest, auch privat. Was fehlt, fehlt eben — die Beratung hilft beim Sortieren.
In der Beratung geht es auch um das, was dich schützt: Jede Bank muss ein Girokonto auf Wunsch als P-Konto führen, es schützt einen Grundbetrag. Und wenn nichts anderes mehr geht, gibt es die Privatinsolvenz; sie beginnt mit einem außergerichtlichen Einigungsversuch über eine geeignete Beratungsstelle. Was davon in deinem Fall passt, klärt die Beratung mit dir.
Wenn das Gegenüber sagt …
- Gegenüber Haben Sie alle Briefe mitgebracht?
- Du Nicht alle. Einige habe ich nicht geöffnet. Ich habe sie mitgebracht, aber geschlossen — können wir sie zusammen aufmachen?
- Gegenüber Warum haben Sie die nicht aufgemacht?
- Du Weil mir beim Anblick jedes Mal schlecht wurde. Ich weiß, dass es nichts besser macht. Deshalb bin ich jetzt hier.
- Gegenüber Wie viele Gläubiger sind es insgesamt?
- Du Ich weiß es nicht genau. Ich schätze [Zahl]. Ich brauche Hilfe, den Überblick zu bekommen.
Kostenlose Hilfe
Eine Beratungsstelle oder die Online-Beratung: meine-schulden.de. Wenn bis zum Termin ein Inkasso anruft: Inkasso ruft an — was du sagen kannst.
Das Gespräch üben
Im Übungsraum unter „Anders anfangen“ das Gegenüber „Schuldnerberatung (Erstgespräch)“ und die Lage „Alles auf den Tisch legen“ wählen. Die Beraterin ist ruhig und lässt nicht locker, bis das ganze Bild da ist — so wie im echten Termin.